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Start die Eisenbahn im Frettertal

die Eisenbahn im Frettertal

Der Bau der 35km langen Strecke Finnentrop-Serkenrode-Eslohe-Wenhlothausen-Wennemen wurde durch Gesetz vom 25.03.1900 beschlossen. In Betrieb genommen wurde die Strecke am 16.01.1911.

Auf der Strecke wurde Personen- und Güterverkehr betrieben. Das Kursbuch Winter 1943/1944 weist täglich sieben Personenwagenpaare von Finnentrop nach Wennemen aus.

Der 2. Weltkrieg ging an dieser Bahnlinie fast spurlos vorüber. Der Zugverkehr konnte deshalb bereits am 14.05.1945 wieder zwischen Finnentrop und Berge aufgenommen werden.

Mit Einsetzen der Motorisierung nach der Währungsreform 1948 nahm der Individualverkehr sowie der LKW-Verkehr ein bis damals noch ungeahntes Ausmaß an. Gleichzeitig entwickelte sich der Schienenverkehr rückläufig. So war es ab 1953 möglich, die dampflockbespannten Reisezüge nach und nach durch Schienenbusse abzulösen.

Eine besondere Bedeutung kam der ruhigen und beschaulichen Bahnstrecke in den Jahren 1960 bis Ende 1964 zu, als die Ruhr-Sieg-Strecke elektrifizier wurde. Während dieser Zeit mussten die Tunnel der Ruhr-Sieg-Strecke für den elektrischen Betrieb hergerichtet werden. Bedingt durch die Bauarbeiten stand in den Tunneln nur jeweils ein Betriebsgleich für beide Fahrtrichtungen zur Verfügung. So mussten zahlreiche Güterzüge der Süd-Nord-Richtung über die Strecke Finnentrop-Wennemen nach Schwerte umgeleitet werden. Arbeitstäglich waren es mehr als 20 Leerwagenzüge, die neben den planmäßigen Reise- und Güterzügen durch das sonst so stille Frettertal dampften.

Auch im Reiseverkehr schien eine Wende in Sicht, als erstmals zum Fahrplanwechsel am 26.05.1963 eine durchgehende Eilzugverbindung Köln-Dieringhausen-Olpe-Finnentrop-Wennemen-Meschede-Paderborn, im Volksmund „Kardinals-Express“ genannt, angeboten wurde. Ab Fahrplanwechsel Sommer 1964 wurde sogar zusätzlich ein Eilzug Köln-Holzminden über die Strecke Olpe-Finnentrop-Wennemen geleitet.

Doch nach der Elektrifizierung der Ruhr-Sieg-Strecke wurde es wieder still im Frettertal. Der schienengebundene Personen- und Güterverkehr hatte sich so stark rückläufig entwickelt, dass sich der Verkauf von Fahrkarten sowie die Abfertigung von Gepäck, Expressgut und Stückgut auf jedem Bahnhof für sich nicht mehr rentierte. Auf der Strecke von Finnentrop bis Wennemen blieben nur noch die Abfertigungen der Bahnhöfe Fretter und Eslohe erhalten.

Zu dieser Zeit verkehrten auf der Strecke Finnentrop-Wennemen montags bis freitags nur noch 3 Schienenbuspaare, samstags waren es nur noch 2 Reisezüge. Die ungenügende Besetzung dieser Züge ließ die Einstellung des Reisezugverkehres nur noch als eine Frage der Zeit erscheinen und wurde von jedermann erwartet.

Der Fahrplanwechsel am 22.05.1966 brachte das endgültige „Aus“ für den Personenzugverkehr. Am 21.05.1966 fuhr der bekränzte Schienenbus um 14:08 Uhr zum letzten Mal von Finnentrop nach Wennemen und um 15:31 Uhr von Wennemen nach Finnentrop. Mit der Ankunft um 16:26 Uhr verabschiedete sich der letzte Reisezug vom Frettertal.

Der Güterverkehr auf der Strecke Finnentrop-Serkenrode florierte, solange das Dolomitwerk Linneborn in Fretter arbeitete (letzter Arbeitstag am 03.12.1970). Durch die Stilllegung des Gleisanschlusses Grevenbrücker Kalkwerke in Deutmecke sowie die zunehmende Verlagerung von Industrie-Restholztransporten auf die Straße ging der Schienen-Güterverkehr im Frettertal bedrohlich zurück. Während im August 1970 den Bahnkunden im Frettertal noch insgesamt 364 Güterwagen bereitgestellt wurden, waren es 1974 im monatlichen Durchschnitt nur noch 90 Wagen. Das Wagenaufkommen ging weiter zurück und lag in den letzten Monaten bei durchschnittlich 16 Wage. Den geringen Verkehrseinnahmen standen hohe Ausgaben für anstehende dringend erforderliche Unterhaltungsarbeiten gegenüber.

Bei dieser Sachlage entschloss sich der Vorstand der Deutschen Bundesbahn im Jahre 1982, beim Bundesministerium für Verkehr den Antrag auf dauerhafte Einstellung des Gesamtbetriebes der Nebenbahn Finnentrop-Serkenrode zu stellen. Die Genehmigung erfolgte bereits am 20.08.1982, wobei für die Teilstrecke Finnentrop-Fretter noch ein zeitlich begrenzter „auslaufender“ Güterzugverkehr akzeptiert wurde.

Am 30.10.1984 fuhren letztmalig die Güterzüge nach Serkenrode und von Serkenrode nach Finnentrop. Um 12:06 Uhr wurde im Bahnhof Finnentrop letztmals „Freie Fahrt“ nach Serkenrode gegeben. Die Lok war mit Grün geschmückt. Ein Schild „Letzte Fahrt“ wies auf das Ereignis hin. In Serkenrode war es nur ein Wagen der abgeholt werden musste. 15 Tonnen Holzschwarten traten die Bahnfahrt nach Mannheim-Sandhofen an. In Fretter nach der Zug nochmals einen beladenen und fünf leere Wagen auf. Gegen 13:15 Uhr verließ der letzte Güterzug den Bahnhof Fretter. Um 13:52 traf er in Finnentrop ein. Danach wurde die Strecke offiziell zum „Baugleis“ erklärt und anschließend zurückgebaut.